Über die Arbeit ...

Die Zeichnung
In der Zeichnung ist meine Herangehensweise an das Thema ganz automatisch eine andere als in der Malerei. Ich begreife meine Bleistiftzeichnungen als Naturstudien. Es kommt mir hier auf anatomische Korrektheit an, aber auch, und vor allem, dass sich die Arbeiten durch eine eigene Lebendigkeit auszeichnen.

Während ich mich in der Malerei ausschliesslich mit dem ursprünglichen Wesen des Tieres auseinandersetze, steht bei der Zeichnung eher die Persönlichkeit des Individuums (sei es Lebewesen oder Gegenstand) im Mittelpunkt. An erster Stelle steht hier das Portraitzeichnen im weitesten Sinne. Es gibt wenig schönere Dinge, als ein Gesicht, sei es nun das eines Tieres oder eines Menschen, in sich aufzunehmen und wieder niederzuschreiben, sein Wesen und Charakter begreifen zu wollen.

Ich verstehe das Zeichnen nach der Natur viel mehr als eine handwerkliche als eine wirklich künstlerische Tätigkeit. Es geht um das Herausarbeiten von Körperlichkeit und Plastizität auf der Fläche und die Umsetzung von Licht und Schatten.

Es gibt keinen  tieferen Sinn oder grosse Bedeutung in meiner zeichnerischen Arbeit. Oder eben doch, ganz wie der Betrachter es sieht. Für mich hat eine Masse, ihre Körperlichkeit, deren Oberfläche und ihr Licht eine besondere Schönheit, die ich wiederzugeben versuche. Mehr nicht.

 

Die Malerei
Bei meiner malerischen Arbeit geht es um Pferde als ein persönliches Medium zum Ausdruck von Kraft und Dynamik in einer reinen, ursprünglichen Form.

Es interessiert mich vor allem die massige Stofflichkeit des Pferdekörpers, das Verhältnis zwischen dem Gewicht und der Schwere des Leibes und seiner ästhetischen Leichtigkeit in der Bewegung.

In den Bildern sind ausschließlich fragmentierte Körper zu sehen. Ich möchte damit den Blick auf den Akt der Bewegung im Detail und die Schönheit der Form lenken. Aber auch Dinge offen lassen, Zusammenhänge unkenntlich machen, um die Spannung des Bildes zu erhöhen.

Durch die ausschnitthafte Sicht auf die Körper und durch die Grösse der Bilder möchte ich vor allem eine starke Präsenz, Unmittelbarkeit und Nähe vermitteln, womit der Betrachter selbst unweigerlich in Beziehung zu der Leiblichkeit der abgebildeten Körper tritt und sich seiner eigenen leiblichen Materialität bewusst wird.

Darüberhinaus interessiert mich bei meiner Arbeit besonders, inwieweit Masse, Leiblichkeit, die Präsenz eines Körpers auf der Leinwand sichtbar gemacht werden kann und wann sie sich auflöst. Sie ist nicht nur durch genaue Ausarbeitung und Präzision möglich. Ebenso verhält es sich mit der Darstellung von Bewegung. Bei der Darstellung eines Körpers gibt es eine Grenze, bei der er sich in eine abstrakte Form verwandelt und keine Substanz mehr hat. Bewegung allerdings wird gerade durch die abstrakte Form lebendig. Das unterscheidet die Visualisierung eines Körpers zu der von Bewegung. Das eine ist greifbar und solide, das andere abstakt und flüchtig. Beides zusammen ergibt Dynamik.

Ich versuche in meinen Bildern eine Art Gleichgewicht zu finden zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Körperlichkeit und Auflösung.



All is pretty
-  Andy Warhol